Firmengeschichte

 

Vor 125 Jahren gründete Adolf Schramm die „Erste Herborner Dampfbrauerei“.

Wenn die älteste Brauerei im Dillgebiet, die Herborner Bärenbräu ihren 125. Geburtstag feiert, kann sie auf eine interessante, wechselvolle Geschichte zurückblicken.

Herr Adolf Schramm wurde 1842 in Laubach als Sohn eines Porzellanfabrikanten geboren. 1871 kam er nach Herborn, die damals eine Stadt mit 3.000 Einwohnern war, die hauptsächlich vom Handel, Handwerk und der Landwirtschaft lebten. Da sein Vater nicht alle vier Söhne studieren lassen konnte, wurde Adolf Schramm Kaufmann. In dieser Eigenschaft unterstützte er seine Schwester, deren verstorbener Ehemann die Theißsche Brauerei, die ehemalige Stadtbrauerei, besessen hatte.

Bei 10 Hektoliter Ausschlagmenge pro Sud wurden damals pro Jahr und 500 Hektoliter untergäriges Bier nach bayrischer Art erzeugt. Die Lagerkapazität des Felsenkellers betrug 150 Hektoliter.

 

Adolf Schramm pachtete die Brauerei Theiß, und beschloss gleichzeitig eine eigene Brauerei zu bauen und zwar auf dem Gelände gegenüber der Stadt jenseits der Dill und der Eisenbahn. Da hatte er genügend Platz, um einen Keller zur Lagerung des Biers in den Fels zu treiben. Da auch ein Eiskeller vorhanden sein musste, die Voraussetzung für die Herstellung des Bieres nach bayrischer Tradition, legte Herr Schramm einen Eisweiher an.

In der neu errichteten Produktionsstätte wurden die Sudpfannen mit Dampf betrieben, daher der Name: “Erste Herborner Dampfbrauerei“. Neben dem genauen, rationellen Arbeiten hatte diese Herstellung noch einen anderen Vorteil: mit dem Abdampf der Maschine betrieb die Firma energiesparend die 1908 angeschaffte Linde-Eismaschine, damit war man von der „Eisernte“ unabhängiger.

1912 verfügte das Unternehmen über zwölf Doppelspänner, zwei Einspänner, einen achtsitzigen Kremser für die Familie und einen Wagen für den Treberverkauf in der Stadt. Im gleichen Jahr kaufte Adolf Schramm für 15.000 Goldgulden die Wisschenbachsche Brauerei. Ein Jahr später starb der Gründer 61-jährig.

Seine vier Kinder führten das Unternehmen als OHG weiter. Franz, sein einziger Sohn, der Bierbrauen gelernt und in München und Dortmund studiert hatte, übernahm 32-jährig die Geschäfte. 1917 schaffte er das, was seinem Vater verwehrt blieb: er kaufte die Brauerei Theiß für 150.000 Mark. Damit gab es nur noch eine einzige Brauerei in Herborn.

Trotz Inflation, Arbeitslosigkeit und Ausstoßrückgang in den folgenden Jahren, gelang es Franz Schramm die Firma über die Runden zu bringen. 1919 ging der Ausstoß von 11.000 auf  5.000 Hektoliter zurück. Nachdem 1933 der Aufstieg langsam wieder begonnen hatte, brachte der Zweite Weltkrieg den Betrieb erneut in große Schwierigkeiten. Von den 13 Mitarbeitern zogen sieben an die Front, die Rohstoffe wurden rationiert, und am Heiligen Abend 1944 richteten Bomben beträchtlichen Schaden auf dem Betriebsgelände an.

1945 zog sich Franz Schramm aus dem Unternehmen zurück, und ein Enkel des Gründers, Herbert Doeinck, übernahm für kurze Zeit die Leitung der Brauerei, die dann treuhänderisch von Karl Strunk verwaltet wurde, der sie ab 1950 allein führte. Gemeinsam mit Herrn Franz Rosibal, einem erfahrenen Pilsbrauer, überbrückte er die Nachkriegszeit, nicht zuletzt durch die Herstellung von Molkenbier.

1950 war der Ausstoß auf 35.000  Hektoliter gestiegen, und Richard Reelitz übernahm nach dem Ausscheiden von Franz Rosibal die Technische Leitung des Unternehmens. Er bewältigte mit Umsicht und Geschick die stürmische Aufwärtsentwicklung des Unternehmens, dessen Bierausstoß mittlerweile 80.000 Hektoliter betrug. 1971 starb Herr Strunk nach über 40-jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer.

Nach ihm übernahm Dipl. Ing. Peter Stoll die Leitung des Unternehmens. Er setzte die Tradition der Brauerei fort, die über die neueste Technik verfügt, aber nach dem alten überlieferten Verfahren beste Biere herstellt und vertreibt. Das Absatzgebiet der Privatbrauerei erstreckt sich ca. 59 Kilometer im Umkreis von Herborn, außerdem verfügt die Herborner über Dependancen in den neuen Bundesländern, wie zum Beispiel im Spreewald, in Thüringen und am Kyffhäuser. Nicht nur dass nach wie vor nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut wird, der Umwelt zuliebe wird kein Dosenbier und keine Einwegwaren hergestellt.

Dem Dipl. Braumeister Otto Reichle, der seit 1990 im Dienst des Unternehmens steht, ist es gelungen, mit dem „Herborner Drive“ ein hervorragendes, alkoholfreies Bier herzustellen, das die Produktpalette der Brauerei komplettiert.

 

 

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